Es ist für die meisten Menschen – und da schließe ich die spirituellen Sucher mit ein – schwierig, sich des kontinuierlichen inneren Gefühlsstroms bewusst zu bleiben, damit wirklich lebendig zu sein und aus dem Herzen zu leben. Denn es ist das Herz, das fühlt.

Das Verweilen in den oberen Schichten der Wahrnehmung (Gedanken, Bilder, Sinnesempfindungen) ist so konditioniert, dass Gefühle meist nur wahrgenommen werden, wenn sie sehr stark sind.

Die meisten Menschen springen immer hin und her zwischen Gedanken und Gefühlen, die sich gegenseitig selbst erzeugen, wie ein Ping-Pong-Spiel. Da die Gefühle aber nie ausgefühlt werden, ist das ein endloses Spiel.


Die Hierarchie der inneren Wahrnehmung 

————————– Oberfläche ———————–

  1. Gedanken und innere Bilder
  2. Sinnesempfindungen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Spüren)
  3. innere Körperempfindungen (Schmerzen, Strömen, Kribbeln, Wärme, Kälte, Weite, Enge, Atem)
  4. Gefühle: Alltagsgefühle – ich-bezogenene Gefühle – existentielle Gefühle und traumatische Spuren (Bündel aus Körper-Bilder-Gefühlen)
  5. tiefere Erfahrungen wie Stille, Leere, Liebe, Glückseligkeit, unendliche Weite, Frieden

—————– grundloser Grund – unendliche Tiefe —————–

Es kommt nun darauf an, die innere Wahrnehmung so zu schulen, dass die oberen Schichten verlassen werden und die Gefühlsschicht in den Vordergrund rückt. Denn es sind immer Gefühle oder tiefere Erfahrungen wahrnehmbar.
Die einfach Frage: „Was fühle oder erfahre ich jetzt?“ hilft da Wunder.

Die innere Körperwahrnehmung ist eine Brücke zu tieferem Schauen. Da der Körper oft sehr verspannt und damit auch oft sehr taub geworden ist, ist Körper- und Atemarbeit ein wichtiger Schlüssel, um wieder mit den Gefühlen und tieferen Erfahrungen in Kontakt zu kommen.

Gefühle verbrennen

Im Gegensatz zu Gedankenschleifen und dem ewigen Gedanken-Gefühle-Ping-Pong verbrennen Gefühle, wenn sie einfach da sein dürfen. Wenn wir es schaffen, den inneren Raum und die Achtsamkeit zu halten, wallt das Gefühl auf, erreicht seinen Höhepunkt und verebbt wieder. Dann folgt meist ein tieferes Gefühl (z.B. Schmerz unter der Wut oder Angst unter einer Unruhe), und wenn alle aktuellen Gefühle verbrannt sind, folgt immer die tiefere Erfahrung von Ruhe, Stille, Liebe usw.

Die tieferen Erfahrungen sind nicht vergänglich, sie sind immer da und je nach Tiefe des Schauens unterschiedlich intensiv wahrnehmbar. Der Frieden und die Liebe sind die Wahrheit und hinter und in allem vorhanden. In diesem Sinne sind sie der tiefe Ozean, und alles darüber – auch existenzielle Ängste, Verzweiflung oder traumatische Spuren (Bündel aus Körper-Bilder-Gefühlen) sind nur die Wellen an der Oberfläche.

Innere Kinder wahrnehmen und Beziehung aufbauen

Es geht beim bewussten Fühlen sehr oft um die Wahrnehmung der inneren Kinder. Oft regieren die unbewussten inneren Kinder unser Verhalten z.B. auf politischen Ebenen, in Unternehmen, in Beziehungen, in Familien und sogar zwischen Staaten. Es sind die ängstlichen, wütenden, traurigen inneren Kinder und deren Wächter, die in uns agieren.

Viel Leid, Brutalität, Unfreundlichkeit, Hilflosigkeit, Bedürftigkeit entsteht durch das unerlöste innere Kind. Kinder zeichnen sich aus durch: Ungeduld, Lebendigkeit, Dazwischenreden, nur-für-sich-haben-Wollen, Grenzen schützen, Verletzlichkeit.

Harmonie auf der Erde braucht die Anerkennung und Erforschung der inneren Kinder und deren Heilung. Der Gastgeber und Beobachter in uns ist nicht das innere Kind, aber er kann es als einziger wahrnehmen, heilen und befriedigen. Niemand kann uns das abnehmen.  So können wir wirklich erwachsen werden und die kindliche Spontanität und Schöpferkraft behalten.

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